Ein Abend mit 3satt ist wie ein Menü, in dessen Verlauf in spartanischer Besetzung aufwendige Interpretationen eingängiger Songs aus Soul, Blues, Pop und Funk serviert werden.
Um die Rezeptur gelingen zu lassen, ist eine sorgfältige Auswahl der Ingredienzen unabdingbar. Die Zutaten sollten nicht zu jung, aber auch nicht zu alt sein. Auf tänzerische Qualitäten kann bei einer Komposition mit diesem musikalischen Anspruch verzichtet werden. Auch ist es bei der Auswahl unerheblich, ob sich an den einzelnen Gängen des Menüs die aktuellsten Auswüchse der Modeindustrie erkennen lassen. Körperbau, Haarfarbe und -fülle sowie der Gebissstatus sind ebenfalls zu vernachlässigen. Die Gesamtheit des Werkes entsteht durch ein tiefes musikalisches Verständnis und einen leichten Hang zum Blödsinn. Im vorliegenden Fall, dem Trio 3satt, ist die Wahl der Bestandteile perfekt.
Man nehme:
- Eine ausgewählt feine weibliche Stimme, am besten mit vollem weichen Ton und variantenreichem Ausdruck
- Eine kräftige männliche Stimme, manchmal gerne ein wenig rau und durchwachsen, aber immer mit viel Soul
- Einen virtuosen Pianisten.
- feine Songs mit Gefühl und Rhythmus (je nach gewünschter Dauer des Menüs mehr oder weniger)
- einen kräftigen Schuss hochprozentiger Sprachakrobatik mit einem guten Teil Humor
- reichlich Spielfreude.
Die beiden Stimmen und der Pianist werden zunächst in unterschiedlichen Töpfen scharf angebraten und dann auf kleiner Flamme weitergeköchelt. Nach wenigen Jahren und erheblicher Reduktion auf das Wesentliche kommen die Zutaten in einen großen Topf und werden gemeinsam kurz aufgekocht. Die Songs werden nun unter stetigem Üben untergehoben, dabei ist darauf zu achten, dass die Substanz nicht überkocht. Der Humor und die Sprachakrobatik müssen beim Anrichten der Songs auf dem Teller wohldosiert dazwischen geschichtet werden. Hier sind Anlass, Geschmack und Stil entscheidend.
Hat das Gericht nun seinen optimalen Garpunkt erreicht, wird es mit viel Spielfreude dem geneigten Connaisseur kredenzt.